Tipps Erste Hilfe beim Wandern im Kleinwalsertal.

Bergwanderungen erfreuen sich als Freizeitaktivität im Sommer und Herbst immer größerer Beliebtheit. Die reine Luft und Nähe zur Natur erfrischen Leib und Seele und sind ein wunderbarer Ausgleich zur Hektik des Alltags. Unfälle kommen aber immer wieder vor: ein falscher Tritt, ein Sturz oder Kreislaufprobleme führen schnell zu Wanderfrust statt Wanderlust. Leichte Verletzungen können gut selbst behandelt werden, wenn man über einige Grundkenntnisse in der Erste Hilfe-Leistung verfügt. Die richtige Vorbereitung vermindert zudem das Unfallrisiko.  

1. Den Rucksack richtig packen

Den Rucksack richtig zu packen, ist eine kleine Kunst für sich. Untrainierte Wanderer achten am besten darauf, dass der gepackte Rucksack nicht schwerer als höchstens ein Viertel des eigenen Körpergewichts ist. Für eine einfache Tageswanderung reicht passende Kleidung, Sonnenschutz, Verpflegung und ausreichend Flüssigkeit, eine Wanderkarte und natürlich ein Erste Hilfe-Set. Legen Sie besonderen Wert auf gutes und haltgebendes Schuhwerk. Wanderstöcke sind hilfreich, um die Gelenke zu entlasten. 

2. Die Kräfte richtig einschätzen

Durch richtige Vorbereitung auf eine Wanderung können viele Unfälle vermieden werden. Ein häufiger Fehler beim Planen von Wanderungen ist einfache Selbstüberschätzung. Vor allem ungeübte Wanderer neigen dazu, sich zu schwierige Routen herauszusuchen. Vergessen Sie nicht, dass es sich beim Wandern nicht um Leistungssport handelt, sondern Spaß und Erholung im Vordergrund stehen. Planen Sie außerdem ausreichend Zeit für Auf- und Abstieg, bzw. Hin- und Rückweg ein. Informationen über Schwierigkeitsgrade der Wanderrouten, Wetterverhältnisse und Einkehr- oder Übernachtungsmöglichkeiten lassen sich dank Internet problemlos recherchieren. 

3. Höhenkrankheit

Ein schneller Aufstieg und Überanstrengung bei Wanderungen in Höhen ab 2.500 m führen nicht selten zur akuten Höhenkrankheit. Dabei hat der Körper keine Zeit, sich an den geringeren Luftdruck zu gewöhnen. Folgen sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel oder auch Sehstörungen. Auch psychiatrische Störungen wie vernunftwidriges Verhalten und Überaktivität können vorkommen, was besonders in schwierigem Gelände gefährlich werden kann. Um Höhenkrankheit zu vermeiden, sollte ein Aufstieg langsam erfolgen und immer wieder Pausen zur Akklimatisation eingelegt werden. Treten Anzeichen der Höhenkrankheit auf, ist ein sofortiger Abstieg ratsam.Bei Babys und Kleinkindern kann Höhenkrankheit schon in mittleren Höhen auftreten. Vermeiden Sie aufgrund des schnellen Aufstiegs nach Möglichkeit Fahrten mit Berg- und Seilbahnen. 

4. Überhitzung

Schwindel, Erschöpfung und Übelkeit sind oftmals Anzeichen für eine Überhitzung des Körpers. Bringen Sie die betroffene Person zur Kühlung in den Schatten und versorgen Sie sie mit ausreichend Flüssigkeit, solange sie sicher schlucken kann. Feuchte Tücher auf Waden und Bauch tragen zusätzlich zur Kühlung bei.  

5. PECH-Regel bei Zerrungen

Muskelzerrungen treten oft bei Überbelastung auf. Die betroffene Stelle sollte nach der PECH-Regel behandelt werden: Pause – Eis – Compression – Hochlagern. Wenden Sie Eisbeutel oder kühlende Gelkissen aufgrund der Gefahr von Erfrierungen niemals direkt auf der Haut an. Die PECH-Regel lässt sich auch bei Quetschungen, Verstauchungen und Prellungen benutzen.  

6. Hilfeleistung bei Blutungen

Abschürfungen und leichte Blutungen, zum Beispiel nach Stürzen, sind leicht zu versorgen. Solche kleineren Blessuren werden am besten gesäubert und anschließend keimfrei abgedeckt. Bei starken Blutungen ist eine schnellstmögliche Hilfeleistung unerlässlich. Es reicht aus, grobe Verschmutzungen zu entfernen. Anschließend muss ein Druckverband angelegt und der betroffene Körperteil hochgelagert werden. Wenn Fremdkörper, wie spitze Äste oder Wanderstöcke, pfählungsartig in den Körper eingedrungen sind, sollte man diese nicht entfernen. Der Gegenstand wirkt wie ein Verschluss, der Blutungen eindämmt. 

7. Knochenbrüche verarzten

Wenn ein unglücklicher Sturz mit einem Knochenbruch endet, gilt es, die betroffene Stelle möglichst gut zu stabilisieren. Dies verhindert, dass scharfe Knochenenden Gefäße verletzen oder Fehlstellungen des Knochens zu Kompressionen der Gefäße führen. Bei Fehlstellungen kann sehr vorsichtig eine grobe Achsenkorrektur vorgenommen werden. Stabilisieren Sie den Bruch beidseitig mithilfe von Schienen, die beispielsweise aus Wanderstöcken hergestellt werden können. Sind Arme oder Schultern verletzt, werden sie zusätzlich mit einem Dreieckstuch ruhiggestellt.  

8. Unterkühlung

Fällt die Körpertemperatur unter 35°C, spricht man von einer allgemeinen Unterkühlung. Dies kann zum Beispiel durch einen Sturz in kaltes Wasser oder durch längeren Aufenthalt im Freien ohne ausreichend warme Kleidung verursacht werden. Unterkühlte Personen sollten vor Wind und weiterer Auskühlung geschützt werden. Heiße, gezuckerte Getränke und Bewegung schaffen Abhilfe. Bei einer starken Unterkühlung, bei der kein Muskelzittern mehr vorliegt und die betroffene Person nur noch erschwert ansprechbar ist, sollten größere Bewegungen vermieden werden: Wenn kaltes Blut aus den Extremitäten in den Körperkern gelangt, kann dies zum Bergungstod führen.